Ikonen in einer Kirche

Mit Ikonen durch das Jahr

Dem Reisenden fallen in Griechenland spätestens im Taxi, Bus oder Hotel kleine Bilder mit zumeist ernst blickenden Personen auf – IKONEN. Solche Ikonen begleiten den orthodoxen Christen von der Wiege bis zur Bahre durch seinen Alltag. Sie stellen Christus, die Jungfrau Maria, die Apostel und eine Vielzahl von Heiligen dar, die durch ihr Leben, oft Martyrium, und Wundertaten zu Vorbildern und Beschützern für den orthodoxen Christen geworden sind.
Beobachtet man den Umgang der Gläubigen mit Ikonen – sie werden ehrerbietig mit Verneigung und Kreuzeszeichen begrüßt, man verharrt im Gebet vor ihr, haucht Küsse darauf und hüllt sie in Weihrauch - dann vermutet man allzu schnell nur Aberglauben. Die Menschen beten vermeintlich doch nur ein bemaltes Stück Holz an. Dies ist aber nicht so, denn die Ikone ist immer nur das Abbild des oder der darauf dargestellten Person. Sie verweist auf das Urbild, und nur diesem gilt die Verehrung der Gläubigen.
Wir möchten Sie mitnehmen in die Welt dieser oft sehr kunstvollen Bilder, die ihren Platz in den Herzen der Menschen, in ihren Häusern und Kirchen haben.


Juni 2013

Ioannis Prodromos = Johannes der Vorläufer = Johannes der Täufer

Am 24. Juni feiert die Kirche den Geburtstag Johannes des Täufers oder, wie die Ostkirche ihn nennt, Ioannis Prodromos = Johannes der Vorläufer.
Seine Ikone findet man in Griechenland an der Ikonostase rechts neben der Christusikone. Man erkennt den Bußprediger aus der Wüste an seinem schmalen, überlängten Gesicht, dem zottigen Haar und dem zerzausten Bart. Sein Gewand ist aus Kamelhaar und von einem ledernen Gürtel zusammengehalten.
Neben ihm steht die Schale mit seinem, auf Wunsch von Salome abgeschlagenen Haupt. Ioannis hat die rechte Hand segnend angehoben, die linke hält eine Schriftrolle.
Man erkennt die Felsen der Wüstenlandschaft, darin einen Baum mit einer am Stamm lehnenden Axt, ein Hinweis auf die Bußpredigt des Ioannis: „Schon ist die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Ein Baum, der keine guten Früchte trägt, wird abgehauen und verfault.“
Am 7. Januar, dem Tag nach Jesu` Taufe durch Ioannis, haben Ioannis, Ioanna und Prodromos Namenstag.
Der Enthauptung des Täufers gedenkt man am 29. August und sollte an diesem Tag kein schwarzes Obst essen, da es vom Blut des Ioannes dunkel gefärbt wurde.


Mai 2013

Anastasis – Christi Auffahrt aus der UnterweltDarstellung von Christi Auffahrt aus der Unterwelt

Nur wenige Tage ist es her, dass die Ostkirche das Osterfest feierte. Zentrale Ereignisse dieses Festes sind die Kreuzigung und die Auferstehung – Anastasis – Christi. Beide sind Thema vieler Ikonen.
Besonders inhaltsreich ist diese russische Darstellung der Auffahrt Christi aus dem 15. Jahrhundert. Im Zentrum sehen wir Christus in einem weißen Gewand, dessen Zipfel wie ein Flügel nach oben weht. Er schwebt über den geborstenen, in Kreuzform übereinander gelegten Torflügeln zur Unterwelt. Darunter liegen die gesprengten Schlösser und Ketten der Pforte.
Mit seiner rechten Hand zieht Christus Adam zu sich empor, links streckt ihm Eva in rotem Gewand die ehrfurchtsvoll verhüllten Hände entgegen. In Evas Rücken sehen wir sechs Apostel, deutlich Paulus mit der hohen Stirn und Petrus mit dem kräftigen Vollbart. Hinter Adam die auferweckten Könige Salomon und David, darüber Moses und Johannes der Täufer. Eine kreisrunde Mandorla aus drei Ringen, von Lichtstrahlen durchbrochen, umfasst Christus und verbindet die dargestellten Personen mit ihm.


Weihnachten

Die orthodoxe Weihnachtsikone ist eine Komposition verschiedener Szenen, die mit Christi Geburt verbunden sind. Weihnachtsikone

Dabei ist nichts dem Zufall überlassen, alles Dargestellte hat seine Bedeutung, seinen Bezug zu den Heiligen Schriften. Die abgebildete Ikone enthält all diese Bezüge:
Im Zentrum Maria, neben ihr das neugeborene Kind in einem Sarkophag, der auf den Kreuzestod hinweist. Ochs und Esel schauen als Zeugen auf das Kind. Sie symbolisieren die Juden- und Heidenchristen.
Josef sieht man rechts unten im Gespräch mit einem Hirten, wohl den Versucher darstellend, Josef Zweifel an der jungfräulichen Geburt einflüsternd. Man erkennt rechts darüber die Hirten und Engel, links die herbeikommenden Heiligen drei Könige.
Zwischen beiden Gruppen sieht man den vom Himmel auf Jesus zeigenden Strahl mit dem Stern, der den Weg nach Bethlehem wies.
Auffallend sind die beiden Frauen, Hebammen, die Jesus mit Wasser aus einem Becken waschen, denn Neugeborene galten in dieser Zeit als unrein. Es macht aber auch keine Schwierigkeiten, die Szene als Hinweis auf Jesu` Taufe zu verstehen.
Die geschilderten Ereignisse spielen sich, für westliche Christen ungewohnt, nicht im Stall einer Herberge, sondern in und vor einer Felsenhöhle ab, die von den Hirten auch als Stall genutzt wurde.
Die Ikone ist neueren Datums „gemacht durch die Hand“ des in Krefeld lebenden Malers Ioannis Chryssos.


Oktober 2012

26. Oktober - Gedenktag des heiligen DimitriosDimitriosDimitrios

Am 26. Oktober feiern Dimitrios und Dimitra ihren Namenstag. Es ist der Beginn des Winterhalbjahres und der Gedenktag des Heiligen Dimitrios / Demetrius. Dieser war römischer Prokonsul auf der Peloponnes. Dort trat er zum Christentum über und begann, seine Umgebung zu missionieren.
Im Jahre 306 bestellte Kaiser Valerius Maximilianus den 26-jährigen daraufhin nach Thessaloniki und tötete Dimitrios eigenhändig mit seiner Lanze, ließ ihn foltern und enthaupten.
Der Heilige ist Schutzpatron der Stadt Thessaloniki, auch deren Helfer im Kampf gegen die türkischen Besatzer bis diese 1912 – an seinem Namenstag – aus der Stadt ausziehen mussten.
Die Darstellung des jugendlichen Heiligen zeigt ihn auf einer Emailikone aus dem 11. Jahrhundert in der reichen Tracht eines Hofbeamten. Häufiger sind Ikonen, die ihn in Ritterrüstung mit Schild und Lanze darstellen.


August 2012

15. August – Kimissi tis Panagias – Entschlafung/Himmelfahrt MariasEntschlafung Marias

Neben Ostern ist der 15.August, der Jahrestag der Entschlafung Marias, einer der bedeutendsten Feiertage für den orthodoxen Christen. An diesem Tag gedenkt man des Todes Marias und des Aufstieges ihrer von Engeln getragenen Seele zum Himmel. – eine leibliche Himmelfahrt Marias kennt die Orthodoxie im Gegensatz zu den Katholiken nicht.
Die aus dem 13. Jahrhundert stammende Ikone zeigt alle tradierten Elemente dieses Ereignisses: Die aufgebahrte Heilige Mutter Gottes; dahinter Christus, die Seele Marias in Händen haltend; die klagenden Apostel, am Kopfende des Katafalks Petrus, am Fußende Paulus und, Maria ganz nahe, Johannes. Vor der Totenbahre sieht man den Hebräer Jephonias, der versucht, diese umzustürzen. Ein Engel verhindert dies, indem er ihm mit einem Schwert die Hände abschlägt.
Der 15. August ist auch der Namenstag vieler Marias, denn mehr als die Hälfte der Griechinnen tragen den Namen der hoch verehrten Heiligen. Im privaten Kreis, vor allem aber an Maria geweihten Kirchen, finden richtige Volksfeste zu Ehren der helfenden und schützenden Mutter Gottes statt.


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